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PwC-Gesundheitsexperte Michael Burkhart © PwC

PwC-Studie belegt weitere Zunahme des Online-Medikamentenhandels

Wirtschaftsberater fordern Stärkung eines flächendeckenden Präsenzapothekennetzes

16.06.2019 - 13:41 UHR

Von Michael Kranz

DÜSSELDORF Das Ergebnis des aktuellen Healthcare-Barometers von PwC belegt, dass eine Mehrheit der Deutschen (66 Prozent) bereits rezeptfreie oder verschreibungspflichtige Arzneimittel im Internet bestellt. Weitere zehn Prozent planen, das künftig zu tun. Lediglich 24 Prozent der Deutschen lehnen die Online-Konkurrenz ab und wollen ihrer Apotheke vor Ort treu bleiben. „Der Apotheken-Versandhandel wächst dynamisch. Das Einkaufsverhalten von Verbrauchern, das sich zu Lasten des klassischen Einzelhandels verändert hat, überträgt sich auch auf das Gesundheitssegment“, sagt PwC-Experte Michael Burkhart. „Dass die Bundesregierung das Verbot des Online-Handels mit verschreibungspflichtigen Medikamenten gekippt hat, das ursprünglich im Koalitionsvertrag vorgesehen war, wird dem Versandhandel mit Medikamenten weiteren Auftrieb geben. Allerdings ist es wichtig, dass es weiterhin ein Netz aus Apotheken vor Ort gibt, die eine flächendeckende Versorgung gewährleisten. Diese Präsenzapotheken müssen gestärkt werden“, kommentiert der Leiter des deutschen Bereichs Gesundheitswirtschaft bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft die Ergebnisse der repräsentativen Healthcare-Umfrage unter 1.000 Bundesbürgern.

Das neue Healthcare-Barometer zeigt auf, das es keinesfalls nur die Generation Digital ist, die auf den Medikamentenversand setzt. Gerade ältere Menschen über 55 Jahre bestellen oftmals im Internet, insbesondere rezeptfreie Arzneimittel. Während in dieser Altersgruppe 50 Prozent angeben, schon häufiger bei einer Online-Apotheke eingekauft zu haben, sind es bei den 18- bis 34-Jährigen nur 37 Prozent.

Während 64 Prozent der Bürger bereits rezeptfreie Arzneimittel online bestellt haben, ordern lediglich 28 Prozent verschreibungspflichtige Medikamente im Netz. „In diesem Punkt zeigt sich klar, dass die Verbraucher preissensibler werden. Rezeptfreie Arzneimittel unterliegen keiner Preisbindung, sodass Online-Apotheken mit günstigen Angeboten punkten können. Bei verschreibungspflichtigen Medikamenten können ausländische Versender allenfalls mit Rezeptboni locken, dafür müssen die Bürger ihr Rezept einsenden“, so Michael Burkhart.

Das Thema Vertrauen ist ein gewichtiges Argument, das der Apotheke vor Ort in die Hände spielt. Mehr als jeder Zweite hat Angst vor gefälschten Medikamenten bei Bestellungen von Versandhändlern aus dem EU-Ausland. Bei der Apotheke um die Ecke äußert nur jeder Zehnte solche Bedenken. „Mit dem Medikamentenversand aus dem Ausland gehen tatsächlich Risiken einher. Während deutsche Medikamentenversender die gleichen Standards wie niedergelassene Apotheken einhalten müssen, ist der Markt im EU-Ausland für die Verbraucher trotz Sicherheitsvorkehrungen und Länderbeschränkungen weniger überschaubar. Die Kunden sind daher stärker auf sich gestellt und müssen die Angebote prüfen. Auch fehlt ihnen die persönliche Beratung, die beispielsweise auf Wechselwirkungen zwischen Präparaten hinweist“, bilanziert Michael Burkhart. Dass nur bestimmte EU-Länder neben Deutschland für den Medikamentenversand zugelassen sind, ist nicht einmal jedem fünften Bürger bekannt.